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Neujahrsempfang des Wirtschaftsrates Sachsen Anhalt

Februar 13, 2010 Saalekreis No Comments

Neujahrsempfang des Wirtschaftsrates am 4. Februar 2010 im Raubtierhaus vom Zoo Halle mit Herrn Detlef Schubert (CDU), Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt.

Thema: Sind Sachsen-Anhalts Unternehmen noch in der Wirtschaftskrise?

Nach einer Begrüßungsrede von Herrn Kristian Tolk, Landesvorsitzender Wirtschaftsrat und Herrn Andreas Jacob, Direktor Zoologischer Garten Halle GmbH, gab der Staatssekretär, Herr Detlef Schubert (CDU) eine Übersicht über die momentane wirtschaftliche Situation und zukünftige Notwendigkeiten.

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Sachen Anhalt befindet sich auf Platz 1, bei bundesweiten Vergleichen zur wirtschaftlichen Dynamik (2005-2008; von Wirtschaftswoche und Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) und zur Kaufkraftentwicklung (GfK-Kaufkraftstudie für 2010). Sachsen Anhalt hat die Folgen der Finanzkrise bislang vergleichsweise gut geschultert. Die schlechte BIP-Zahlen für III. Quartal 2009 (-7,3%) sind auf hervorragendes Vorjahresquartal zurückzuführen (Krise setzte im LSA erst im IV. Quartal 2008 ein)

Die nationalen und internationale Rahmenbedingungen nach schwersten Konjunktureinbruch der neueren Wirtschaftsgeschichte sind derzeit wieder etwas aufgehellt.
IWH erwartet für 2010 ostdeutsches Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent. Aber auch nach leichtem Wachstum in 2010 braucht es noch mehrere Jahre mit deutlichem Wachstum, um das Niveau von vor der Krise zu erreichen.

Die heimische Industrie hat deutliche Umsatz- und Exportverluste, dagegen ist Beschäftigungssituation etwa auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. In großen Industriebetrieben (> 50 MA) wurden, von Januar bis November 2009, durchschnittlich 103.150 Arbeitnehmer beschäftigt. (+0,1% zum Vorjahreszeitraum). Das sind deutlich bessere Zahlen als in anderen mitteldeutschen Ländern (Thüringen: -1,6%; Sachsen: -3,2%, neue Länder: -1,3%, Deutschland: -2,7%). Dennoch ist im Vergleich zum Oktober 2009 ein Rückgang um 0,3% (-310 Personen) und zum November 2008 Rückgang um 1,9% (-1.960 Personen) zu verzeichnen.

Die Branchen mit Beschäftigungsaufwuchs sind das Papiergewerbe, Pharma, Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, Herstellung von Metallerzeugnissen, Maschinenbau, sonstiger Fahrzeugbau und Herstellung von Möbeln.

Die Branchen mit Beschäftigungsrückgang sind Gummi- und Kunststoffwaren, Metallerzeugung und -bearbeitung, Kraftwagen und -teile, Nahrungs- und Futtermitteln, Getränkeherstellung, Holzwaren, Glas und Glaswaren

Von Januar bis November 2009 gab es einen deutlichen Umsatzrückgang in der Industrie -18,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (höher als SN (-16,4%) und Thüringen (-17,7%), aber geringer als Deutschland (-19,4%))

Branchen mit Umsatzplus: Pharma (+3,9%) und Herstellung von Möbeln (+0,3%)
Branchen mit hohen Umsatzrückgängen: Metallerzeugung/-bearbeitung (-39%), Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten (-34%), Herstellung von Kraftwagen/Kraftwagenteilen (-31%), und Maschinenbau (-23%) Auch beim Export liegen die Zahlen deutlich unter den Vorjahreswerten: LSA (-25,7%), vergleichbar mit Thüringen (-24,4%), aber deutlich höher als Sachsen (-18%) und Deutschland (-21,7%) Der Rückgang der Umsatzeinbrüche deutet auf Durchschreiten der Talsohle des Abschwungs hin (September 2009 noch -23% ggü. September 2008 )

Das Baugewerbe holte im III. Quartal im Vergleich zum Jahresanfang weiter auf; dennoch ist ein Rückgang bei allen wichtigen Indikatoren (Umsätze: -1%, Beschäftigte: -3% auf 15.600 und Auftragsbestände: -4%) zu verzeichnen. Unter Einfluss der Wirtschaftskrise gab es +26% Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Zeitraum Januar-September 2008 ) und es war ein Anstieg der Unternehmenspleiten in fast allen Wirtschaftsbereichen zu verzeichnen (v.a. Verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistung, Gastgewerbe, Verkehr, Handel) Dagegen wurde Gewerbegeschehen im III. Quartal weiter stabilisiert: positive Bilanz nach 9 Monaten (13.130 Anmeldungen stehen 12.623 Abmeldungen gegenüber)
Arbeitsmarkt aktuell:

Entgegen den Erwartungen vieler Wirtschaftsforschungsinstitute haben wir noch keine dramatische Verschlechterung auf Arbeitsmarkt im Land Sachsen Anhalt; im Gegenteil. Dank geänderter Kurzarbeiterregelungen (u. a. durch Initiative der Landesregierung) und besonnenem Handeln der Unternehmer (wertvollen Fachkräftestamm halten) ist Situation auf Arbeitsmarkt weiterhin stabil.

Im Januar 2010 waren insgesamt 174.100 Personen arbeitslos gemeldet (saisonal üblich +18.800 zum Vormonat, aber -7.400 zum Vorjahresmonat). Das ist mit 14,1% die niedrigste Januar-ALQ seit 1991 (Januar 2009: 14,6%; Januar 2008: 15,8%). Die höchste ALQ hat Mansfeld-Südharz (18,3%), Stendal (17,6%) und Burgenlandkreis (15,5%); niedrigste ALQ: Landkreis Börde (10,8%), Altmarkkreis Salzwedel und Jerichower Land (jeweils 12,8%)

Die Anzeigemn für Kurzarbeit im Januar 2010 waren, für 3.600 Arbeitnehmer, wirtschaftlichen Gründen für 3.700 Arbeitnehmer saisonalen Gründen.
Ein Übergreifen der Krise auf Arbeitsmarkt erfolgte nicht aber das war allein an Änderungen der Kurzarbeiterregelungen festzumachen; Bund und Land sind in vielen weiteren Bereichen aktiv geworden

Vom Land Sachsen Anhalt folgten Änderung der Vergabeordnung und GA-Richtlinien, Aufstockung Bürgschaftsrahmen, Sonderfonds für Unternehmen in Schwierigkeiten, Krisen-Hotline und Flexibilisierung bestehender Darlehensprogramme. Vom Bund wurden Impulse durch zwei Konjunkturpakete (zusätzliche Investitionen, Finanzmarktstabilisierung, Umweltprämie) gegeben.

Bis Ende 2009 wurden im LSA 393 Mio. € im Rahmen des Zukunftsinvestitionsgesetzes bewilligt (rund 83% des bis Ende 2011 zur Verfügung stehenden Volumens von insgesamt 475 Mio. €). Nach aktueller DIW-Studie ist der Anteil der Zukunftsinvestitionen an verfügbaren Mitteln im LSA besonders hoch (Platz 1 unter den Flächenländern). Darunter auch ein Projekt des MW: Anfang Oktober wurde das „Institut für Kompetenz in AutoMobilität“ (IKAM) aus der Taufe gehoben; 10 Mio. € aus KPII und 22,5 Mio. € aus MW-Haushalt
Ab Ende 2010 soll in Barleben und an OvGU zusammen mit hiesiger Wirtschaft am Auto der Zukunft geforscht werden (alternative Antriebssysteme, automobiler Leichtbau, Elektromobilität sowie neue Werkstoffe)

Zudem hat LSA Mittel für FuE-Förderung im Doppelhaushalt 2010/2011 mehr als verdoppelt: von 13,3 Mio. € (2009) auf 31,4 Mio. € (2010) und 26,8 Mio. € (2011) mit dem Ziel die
Innovationskraft der Unternehmen zu stärken und Strukturwandel hin zu mehr technologie-orientierter Produktion zu befördern

Auch Unternehmen wollen durch Investition in innovative Produkte, Dienstleistungen u. Verfahren Weichen für künftiges Wachstum stellen. Rekord bei FuE-Bewilligungen: 2009 insgesamt 46,8 Mio. € Fördermittel für 152 FuE-Projekte bewilligt (2008: 24,2 Mio. € für 118 FuE-Projekte)

Die Tagessorgen dürfen nicht Blick auf künftige Herausforderungen verstellen, so Staatssekretär Detlef Schubert (CDU). Kundennähe, Fachkräfte und Verkehrsinfrastruktur machen LSA auch in Krisenzeiten zu attraktivem Standort. Das Krisenjahr 2009 war keine investitionsfreie Zeit. Es wurden Investitionen von ca. 1,25 Mrd. € mit ca. 320 Mio. € gefördert. Das Investitionsvolumen lag zwar unter den Vorjahreswerten (2008: 1,62 Mrd. €; 2007: 1,39 Mrd. €), aber angesichts der Rahmenbedingungen war das hervorragend. Das Interesse am Standort Sachsen-Anhalt ist trotz Wirtschaftskrise ungebrochen. Der überwiegender Anteil sind Erweiterungsinvestitionen (heimische Unternehmen sehen wirtschaftliche Zukunft im LSA trotz Krise positiv)

Auch 2010 wird ein gutes Investitionsjahr: Ee werden eine Reihe größerer Investitionen folgen, von jeweils mehr als 30 Mio. € in der Pipeline (insbesondere Pharma und Medizintechnik, Ernährungswirtschaft, Maschinenbau, Metallbau, Solar/Glas und Chemie)

IHK-Konjunkturumfragen für IV. Quartal 2009
IHK MD: Gesamtklima bei uneinheitlicher Branchenbewertung leicht verbessert (Industrie, Dienst-leistung und Handel positiv, Baugewerbe und Gastgewerbe pessimistisch)
IHK Halle-Dessau: Geschäftslage über alle Branchen verbessert, konjunkturelle Situation weitgehend beruhigt, Erwartungen nur leicht eingetrübt, keine Kreditklemme

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Nach der wirtschaftlichen Zahlen, erfolgten Gespräche und Vorstellungen der geladenen Unternehmer und Mitglieder des Wirtschaftsrates.

Mehr Informationen zum Wirtschaftsrat:
http://www.wirtschaftsrat.de/

v.r.n.l. Staatssekretär Herrn Detlef Schubert (CDU), Andreas Fiedler IG Saalekreis

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